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Besuch verwundeter US-Soldaten im Militärhospital Landstuhl - 13. Dezember 2009

Besuch verwundeter US-Soldaten im Militärhospital Landstuhl
 

Bei einem internationalen Gebirsgjäger-Kongress 2009 in Chamonix/FR wurde Obmann Oberst a.D. Horst Armann, Delegierter der deutschen Delegation,
von einer amerikanischen Teilnehmerin und Angehöriger
der 10th US-Mountain Division angesprochen und darauf aufmerksam gemacht, dass sich im US-Militär-Hospital in Landstuhl/Deutschland
zahlreiche amerikanische Soldaten der 10th (US) Mountain Division befinden,
die in Afghanistan, im Irak und in anderen Einsatzgebieten verwundet und zur ärztlichen Behandlung nach Deutschland gebracht wurden.
Für diese „warriors wounded in action“ würde es eine große Freude bedeuten,
wenn sie – in dem für sie fremden Land - von deutschen Gebirgs-Soldaten zur Weihnachtszeit besucht würden.

Nach einigem Zögern wegen der großen Entfernung zum Militärhospital Landstuhl fanden die deutschen Kameraden die Idee als Geste
der „ Kameradschaft über Ländergrenzen hinaus“ im Sinne der IFMS-Grundsätze
(IFMS-International Federation of Mountain Soldiers) sehr gut, um den verwundeten NATO-Kameraden zu zeigen,
dass sie in Deutschland nicht alleine gelassen werden, sondern dass sie hier Kameraden und Freunde haben.
Man benannte die Aktion mit CARE 2009.

Eine einzigartige Spendenaktion wurde in Bewegung gesetzt und ein „Landstuhl-Chor“ gegrün-det: Fünf Supermärkte stellten Schokolade,
Lebkuchen und Lebkuchenherzen für 40 Weih-nachtspakete zur Verfügung.
Drei Bäckereien spendeten Weihnachtsplätzchen, die durch selbst gebackene Plätzchen zahlreicher Kameradenfrauen zu einem ansehnlichen „Plätzchenberg“ angehäuft wurden.
Geldspenden aus dem Kameradenkreis,
vom Landkreis und den Gemeinden, von Sparkasse und Volksbank brachten insgesamt ca. 1.500 € zusammen,
womit fast alle finan-ziellen Aufwendungen für die Reise nach Landstuhl gedeckt werden konnten.
Der Rest wurde durch eine Umlage unter den beteiligten Kameraden aufgebracht. Besonders erwähnenswert ist dabei, dass sich die Soldaten des PzGrenBtl 112
in Regen mit einer Geldspende von 250,00 EUR an der Aktion beteiligten.
Das Schulamt des Landkreises Regen beauftragte eine Grundschule, im Englischunterricht für die verwundeten US-Soldaten „Getwell-Cards“ zu schreiben;
zusätzlich bastelte ein Mädchen 40 kleine Mäuschen aus Nussschalen. Eine Glasmanufaktur (JOSKA-Kri-stall bekannt durch die „Weltmeister-Kristall-Kugeln“
im Schi- und Autorennsport) spendete 30 Glasrosen für die weiblichen Soldaten, die Krankenschwestern und Ärztinnen. Zusätzlich ließen die „Gebirgsjäger“
40 Latschensträusse binden und mit Christbaumkugeln und handgeschnitzten Edelweiß schmücken. Äußerst hilfreich rief die regionale Zeitung
(Bayerwaldbote/ Passauer Neue Presse) zweimal zur Unterstützung der Aktion auf.

Durch die gemeinsame Hilfsaktion der Gebirgssoldaten, der öffentlichen Verwaltung, der Ge-schäftswelt, der Bevölkerung, der Bundeswehr und der Presse wurde die Aktion CARE 2009 möglich gemacht.
Sie wurde allgemein als sehr gute Idee bewertet und voll unterstützt.

Am 13.12.2009 reisten dann 14 Männer und Frauen – darunter vier aktive Soldaten des PzGrenBtl 112 in Uniform - mit zwei VW-Bussen,
die eine zivile Firma kostenlos zur Verfü-gung gestellt hatte, die 520 km nach Landstuhl im Westen der Bundesrepublik Deutschland (nahe Kaiserslautern).
Dort traf man noch am Abend eine amerikanische Delegation der 10th US -Mountain Division, die extra aus Paris angereist war, zum Dinner,
um sich kennen zu lernen und den Ablauf des Besuchs im Lazarett zu besprechen.

Am Tag darauf fuhr die deutsche „CARE-Delegation“ zum Landstuhl-Hospital und wurde – nach strenger Zutrittskontrolle - in der „MTD-Medical-Transient Detachment“
von der mili-tärischen Leiterin empfangen und miteinem „Briefing“ in die Besonderheiten dieser Abteilung eingewiesen,
wo die mit dem Flugzeug aus den Krisengebieten ankommenden Verwundeten 2 Wochen lang beobachtet und „psychologisch“ betreut.
Danach wird entschieden, ob sie wieder in den Einsatz zurück gehen (was sehr viele Verwundete wegen der Nähe zu ihren Kameraden unbedingt wollen),
ob sie im Militärhospital behandelt werden, oder zur weiteren Behandlung in die USA geflogen werden.

Dem „mentalen Zustand“ der Soldaten entsprechend und unter dem Druck der ständig neu ankommenden „warriors wia-wounded in action“ herrscht auf dieser Station erheblicher Stress.

Umso dankbarer sind die dort beschäftigten Soldaten und das Pflegepersonal für jeden Zuspruch und jede Anerkennung von außen.

Das „Merry Christmas“ und „Get-Well“ sowie die Bescherung durch die deutschen Besucher mit Weihnachtspaketen, Latschenstrauß, Getwell-Karte und eWalnuß-Mäuschen

überraschte die verwundeten US-Soldaten sichtlich. Bei Erwähnung der mitgebrachten deutschen Kinderschoko-lade und der „home-made German Christmas-cakes and gingerbread“
blitzten die Augen der beschenkten Soldaten deutlich auf und man merkte die Freude über diese – unerwartete und ungewohnte – Bescherung.
Viele bedankten sich überschwänglich und versprachen, nach dem Kriegseinsatz zu einem Besuch in das - den meisten wohl bekannte - Bayern zu kommen.

Nach der Bescherung in der Krankenstation sang der „Landstuhlchor“ – begleitet von Akkor-deon und Zither - in der „Mess-Hall“ des Lazaretts für Patienten,
Ärzte und Pflegepersonal deut-sche und amerikanische Weihnachtslieder, die heftig beklatscht wurden und offensichtlich viel Freude auslösten. Viele Anwesende sangen innig mit.

Große Freude lösten auch die mitgebrachten Glasrosen aus, die an die weiblichen Soldaten, die Ärztinnen und die Krankenschwestern überreicht wurden.

Das Weihnachtssingen des deutschen „Gebirgsjägerchors“ musste immer wieder verlängert werden, bis man sich schließlich wieder auf den über 500 km langen Heimweg begeben mußte,
obwohl man gerne noch geblieben wäre.

Rückschauend ist festzustellen, dass die Aktion CARE 2009 für Besuchte und Besucher ein grosser Erfolg war, weil man den –
im Lazarett in Deutschland und fern von ihren Kameraden und ihren Familien befindlichen – amerikanischen Soldaten-Kameraden auf diese Weise zeigen konnte,
dass sie in Deutschland nicht alleine gelassen werden, sondern hier Freunde haben, und dass sich aktive und ehemalige deutsche Soldaten um sie kümmern (care).

Nach dem Besuch in Landstuhl bedankte sich der Präsident der Vereinigung der 10. Mountain Divison aus Carthage/N.Y/USA in einem „Letter of Appreciation“
sehr herzlich für den Be-such der amerikanischen Soldaten, die schönen Geschenke und die handgeschriebenen Karten der Schulkinder sowie für den Gesang im Speisesaal.
Der Besuch habe unmittelbaren Einfluß gehabt auf die Moral und die Genesung der Soldaten und … (wörtlich) „Leute wie die Mitglieder der (deutschen) Gebirgsjägerkameradschaft,
die wertvolle Zeit und Mittel aufbringen, um frem-den Soldaten das Leben leichter zu machen, lassen bei den Besuchten einen Eindruck zurück, den
diese ihr Leben lang nicht vergessen werden.
Ich grüsse Sie und danke Ihnen für Ihren Anteil an der Fürsorge für Amerikas verwundete Soldaten im Kriegseinsatz“. Gez. Michael Plummer, Präsident.

Die Aktion CARE 2009 der deutschen Gebirgs-Kameraden aus dem Bayerischen Wald könnte/sollte/müsste eine Initialzündung für alle Mitgliedsnationen
der IFMS für weitere Aktionen dieser Art darstellen, die ein noch besseres Mit-einander statt Neben-einander unter verbündeten Soldaten über die Ländergrenzen hinweg pflegen
und „gelebte Kamerad-schaft“ in die Realität umsetzen.

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