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Herbstreise 2008 nach Slowenien - 22. September 2008

 
 Herbstreise der Kameradschaft Bayerwald nach Slowenien 
vom 22.09. bis 25.09.2008
 
Das Motto der Reise: „Friede über den Gräbern“.
 
 

Vierundvierzig Mitglieder der Kameradschaft Bayerwald e.V. machten sich am Montag, dem 22.09.2008 auf den Weg nach BLED (de: VELDES), um in einer viertägigen
„Militärhistorischen Reise“ das neue NATO- und EU-Land Slowenien, seine Leute, seine Natur und Kultur und Teile seiner akti­ven und ehemaligen Gebirgssoldaten kennen zu lernen.

Ein weiterer wichtiger Reisegrund für sie war auch, an der ehemaligen Isonzo-Front des Ersten Welt­krieges den schrecklichen Kriegsereignissen nachzugehen, sie als abschreckendes Beispiel
für die­sen Wahnsinn nicht vergessen zu lassen, der Toten aller Kriegsparteien zu gedenken und so einen kleinen Beitrag zum „Frieden über den Gräbern“ zu leisten.

Nach Ankunft in BLED wanderten die Teilnehmer zunächst um den schönen Bleder See (slo: Blejsko Jezero; de: Veldeser See)
und kehrten dabei in der „Vila Bled“, Titos ehemaligem Sommersitz, zum Kaffee ein.

Für den Abend hatten die slowenischen Gebirgssoldaten zu einem festlichen Empfang mit einem ty­pisch slowenischen Abendessen und Musik eingeladen. An einer langen weiß gedeckten Tafel
lernte man sich dabei trotz einiger mehr oder minder großen Sprachhemmnisse schnell kennen und verste­hen.

Die hochrangigen militärischen und zivilen slowenischen Gastgeber – dabei zwei Generale und zahl­reiche Offiziere und Unteroffiziere aus dem Verteidigungsministerium in LJUBLJANA
(de: LAIBACH) und dem Gebirgsstandort BOHINJska Bela mit ihren Damen – begrüßten ihre deutschen Gäste herzlich. In ihren Grußadressen brachten die Slowenen eindrucksvoll zum Ausdruck,
wie man sich über den ersten Besuch einer deutschen „Soldatendelegation“ freute.

Obmann Horst Armann bedankte sich im Namen aller Teilnehmer der Kameradschaft Bayerwald für die Einladung und überreichte verschiedene gläserne Gastgeschenke
aus heimatlich-bayerwalder Fertigung.
Kameradin Gisela Fischer erntete, von Kamerad Heiner Meier am Akkordeon begleitet, für ihren Vor­trag des „Zwieselliedes“ lebhaften Beifall.

Am Dienstag, dem 23.09.2008. stand das 132. (SLO) Gebirgsbataillon und die (SLO) Gebirgsschule in BOHINJSKA- BELA auf dem Besuchsprogramm.
Voller Stolz trugen slowenische Offiziere des Stand­ortes der Reisegruppe zu den Fähigkeiten der slowenischen Gebirgsjäger und zu ihrer Ausbildung vor und zeigten in einer
Waffen- und Geräteschau ihre spezielle Ausrüstung. Die Vorführung schloss mit einem gemeinsamen Mittagessen (Backhähnchen mit Reis) mit den slowenischen Kameraden in de­ren Kantine.

Danach folgte ein „Lockerungsspaziergang“ durch das romantische Städtchen RADOVLIJCA (de: Radmannstadt), wo man das Imkereimuseum und eine Lebzelterei besichtigte.
Den Nachmittag schloss der Genuss slowenischen Kaffees mit den berühmten slowenischen Cremeschnitten ab.

Der Abend des bisher schon erkenntnisreichen Tages begann mit einer Besichtigung des ehemaligen GeStaPo-Gefängnisses in einem Trakt des Schlosses Katzenstein von BEGUNJE-
(slo: -na-Gorenskem; de: „in der Oberkrain“), der nun als Museum an die furchtbaren Ereignisse im Zusammenhang mit den Partisanenüberfällen auf deutsche Wehrmachtsangehörige
des Zweiten Weltkrieges und die Geiselerschießungen erinnert. Sie löste bei den Teilnehmern große Erschütterung, tiefe Betroffenheit und nachdenkliches Schweigen aus.

Der folgende „slowenische Abend“ bei Slavko Avsenik (weltberühmt unter „Original-Oberkrainer Musi­kanten“) stand danach noch auf dem Programm. Hier wurden die deutschen „Gebirgsjäger“
unter dem großen Publikumskreis ausdrücklich und sehr herzlich begrüßt.

Am dritten Tag (24.09.) lag der Schwerpunkt des Programms auf den Ereignissen zu den zwölf Isonzoschlachten 1915 – 1917 und auf der Besichtigung militärischer Festungen und Gedenkstätten.

So fuhr man auf der „Straße des Friedens“ von BLED über KRAnjska Gora (de: Kronau), dem italienischen Tarvisio (de: Tarvis), über den Predil-Pass in Richtung Bovec (de: Flitsch),
passierte dabei STRMEC, das „Dorf der Schwarzen Tücher“, dessen männliche Bewohner 1943 aus Rache für von Partisanen ermordete deutsche Soldaten von SS-Schergen liquidiert
und dessen Häuser niedergebrannt worden waren. Das Dorf wurde nach dem Krieg zwar wieder aufgebaut, dient heute aber hauptsächlich nur noch als Ferienort.

Beeindruckt war die Reisegruppe von der Geschichte der einzig erhaltenen Kärntner Festung KluŽe (de: Flitscher Klause), die ein Fremdenführer in Original-kuk-Hauptmannsuniform mit Orden,
Seitengewehr und Fernglas vortrug sowie im Isonzofrontmuseum von Kobarid (de: Karfreit; it: CAPORETTO) an der Soča (it: Isonzo; de: Sontig) tief erschüttert von den grauenhaften Geschehnissen
in den zwölf Isonzoschlachten vor mehr als 90 Jahren.

Die Folgerungen daraus sind zu gleich unabdingbare Forderung:

„Die kriegerische Vergangenheit Europas darf nicht verdrängt und vergessen werden! Aber wir wollen den Blick jetzt in die Zukunft richten und in unserem gemeinsamen
„Haus Europa“ den Frieden meistern“.

Am Italienischen Beinhaus in Kobarid gedachten die „Gebirgsjäger“ der dort begrabenen 7.000 italienischen und aller anderen am Isonzo gefallenen 400.000, darunter auch 1.000 deut­schen Soldaten.
Mit einem Trompetensolo wurde das Lied vom guten Kameraden intoniert, ein Bay­erwald-Tannen-Bukett niedergelegt und eine Kerze entzündet. Ein zweites Bukett und eine zweite Kerze war auch dem
deutschen Beinhaus in Tolmin (de: Tolmein; it: TOLMINO) gewidmet.

Am letzten Tag, dem Tag des Abschieds (25.09.) ging die Busfahrt der „Bayerwaldler“ in das landschaftlich sehr reizvolle Bohinj-Tal (de: Wocheintal) im bekannten „Triglavski narodni park"
(Nationalpark Triglav), vorbei am Bohinj-See (slo: Bohinjsko Jezero; de: Wocheiner See), dem größten See Sloweniens. Sie wanderten, geführt von einem slowenischen Oberstleutnant i.G.
(Absolvent auch der Führungsakademie der Bundeswehr), zu den Savica-Wasserfällen (Quelle der Savica, der „kleinen Save").

Zum Abschied besuchte man in der Nähe noch einen österreichisch-ungarischen Soldatenfriedhof des Ersten Weltkrieges, wo man sich zu einer letzten gemeinsamen Totenehrung in einem
großen Kreis mit den slowenischen Kameraden die Hände reichte und – wiederum unter den Klängen eines Trom­petensolos – „Frieden über den Gräbern“
und Freundschaft für die Zukunft versprach.

Der Bürgermeister der Orte des Bohinj-Tales („der schönsten Gemeinde der Welt“) verabschiedete die deutschen Gäste in Bohinjska Bistrica und lud zum Wiederkommen ein.

Ein bisschen traurig hatte man Abschied zu nehmen von den neu gewonnenen slowenischen Kame­raden, die die deutsche Reisegruppe während der gemeinsamen Exkursion begleitet hatte.

Gerne nahmen die Slowenen die Einladung des Obmannes der Kameradschaft Bayerwald, Oberst a.D. Horst Armann.
Zu einem Gegenbesuch in 2009 zum Grenzlandfest in Zwiesel oder zum Pi­chelsteinerfest in Regen an: „Dann machen wir gemeinsam ein Fass auf!“.

Zufrieden und mit dem stolzen Gefühl, als „kleine Botschafter“ unseres Landes ein bisschen zur Völ­kerverständigung im „Neuen Europa" beigetragen und neue Freunde gefunden zu haben,
begaben sich anschließend die „Gebirgsjäger“ auf den Heimweg zurück in den Bayerischen Wald.

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Bericht: Karl-Heinz Scholz, Horst Armann, Hubertus Höhn                                                                     Redaktion: Hubertus Höhn
 
 
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